Warum stellst du dir diese Frage überhaupt?
Ob dein Partner beim Shooting dabei sein soll oder nicht –
das scheint auf den ersten Blick eine ganz einfache Entscheidung zu sein. Für viele ist sie sogar längst gefallen, noch bevor sie überhaupt darüber nachgedacht haben.
Natürlich kommt er mit.
Er gehört ja dazu.
Aber… ist das wirklich deine Entscheidung? Oder stellt sich die Frage gar nicht, weil man es eben so macht? Vielleicht, weil du Rücksicht nehmen willst. Vielleicht, weil du denkst, er erwartet das. Oder vielleicht auch, weil sich da dieser leise Gedanke einschleicht: Alleine traue ich mich nicht.
Und genau hier passiert etwas, das ich in Gesprächen mit meinen Kundinnen immer wieder höre – oft ganz leise, fast nebenbei ausgesprochen, dass sie sich diesen Moment eigentlich auch einmal nur für sich wünschen. Nicht gegen ihn. Sondern für sich. Weil da etwas ist, das sich kaum teilen lässt:
diese stille, körperliche Verbindung zwischen dir und deinem Baby.
Darf man das überhaupt so sagen, …
dass man sich diesen Moment vielleicht auch einfach nur für sich wünscht? Ohne den Partner. Ohne jemanden, der zuschaut. Ist das egoistisch oder unfair?
Schließlich ist es euer gemeinsames Kind.
Genau das macht diesen Gedanken für viele so schwer. Dieses leise Ziehen zwischen
„wir gehören doch zusammen“ und „aber es ist irgendwie auch nur meins was da in mir passiert.“
Es geht nicht darum jemanden auszuschließen. Sondern um ehrlich hinzuschauen, was sich für dich wirklich stimmig anfühlt.
Ja, dieses Kind gehört euch beiden. Und gleichzeitig passiert all das, was du gerade erlebst, in deinem Körper. Es ist dein Wandel. Deine Veränderung. Dein ganz eigener Prozess. Und dieses Shooting entsteht genau daraus.
Und vielleicht ist genau das der ehrlichste Punkt von allen, dass beides gleichzeitig da sein darf. Die Verbindung zu ihm. Und dieser ganz eigene, stille Raum zwischen dir und deinem Baby, den niemand sonst wirklich betreten kann.
Und wenn du spürst, dass du genau diesen Raum einmal für dich brauchst, dann ist das nichts, was du rechtfertigen musst.
Das bedeutet nicht, dass er keinen Platz darin hat. Aber es bedeutet eben auch nicht, dass seine Anwesenheit eine Selbstverständlichkeit sein muss.
Eure Verbindung entscheidet, was entsteht
Ich sag es ganz deutlich. Die Anwesenheit deines Mannes/Partners kann sich positiv als auch negativ auf das Shooting auswirken. Ob es dir Sicherheit gibt oder eher Spannung erzeugt, zeigt sich oft erst in dem Moment, in dem ihr gemeinsam vor der Kamera steht.
Eure Verbindung trägt das Shooting. Man sieht diese Verbindung, auch ohne Worte. In der Art, wie ihr euch miteinander bewegt. In dem, was zwischen euch passiert. Was gesagt wird. Wie ihr euch anseht. Nach so vielen Shootings und Begegnungen mit Paaren habe ich gelernt, dass eine Kamera nicht nur festhält, wie Menschen äußerlich aussehen, sondern welche Dynamiken zwischen ihnen da sind.
Die meisten Frauen gehen mit einer bestimmten Vorstellung in so ein Shooting. Sie haben Bilder im Kopf, wie es aussehen könnte und vielleicht auch, wie sie sich als Paar sehen möchte. Und daran ist nichts falsch. Im Gegenteil – es zeigt, dass ihr dieser Moment wichtig ist.
Doch genau dort wird oft spürbar, was zwischen zwei Menschen entsteht, wenn man einen unbekannten Raum betritt. Wenn Unsicherheit aufkommt oder das Gefühl entsteht, dass der Partner nicht richtig bei ihr ist, beginnen viele Frauen unbewußt die Situation zu lenken. Sie wollen versuchen das Bild so zu formen, wie sie es sich innerlich vorstellen. Dann fallen Sätze wie:
„Mach mal so.“ „Nicht so steif.“ „Lach doch mal.“
Und vielleicht fragst du dich an dieser Stelle, ob das nicht eigentlich meine Aufgabe als Fotografin ist, das Shooting zu führen. Darauf komme ich später noch einmal zurück.
Denn hinter diesen Anweisungen steckt oft etwas anderes. Es geht in erster Linie nicht um die Pose, sondern um ein Gefühl darunter. Es geht um den Wunsch, dass der andere spürt, was gerade gebraucht wird, ohne das Worte nötig sind. Um das Bedürfnis nicht alles erklären und lenken zu müssen. Der Wunsch nach Halt und Orientierung. Vielleicht sogar nach einem Mann, der sie führt, wie beim Tanzen.
Doch wenn genau das nicht passiert, verändert sich die Stimmung. Dann beginnt etwas, das man sehr deutlich sehen kann: es entsteht Spannung. Aus dem Fließen wird Kontrolle. Aus dem Spüren wird Funktionieren. Die Leichtigkeit verschwindet und die Stimmung kippt. Plötzlich wird das Shooting anstrengend – für beide. Im schlimmsten Fall entsteht daraus Frust und Enttäuschung darüber, dass der andere nicht mitgeht, wie man sich das innerlich erhofft hat.
Und genau in diesem Moment wird das, was eigentlich leicht sein darf, schwer.
Ich habe aber auch schon das Gegenteil erlebt.
Männer, die vielleicht gar nicht perfekt vor der Kamera sind. Die nicht genau wissen wohin mit ihren Händen oder wie sie wirken, aber trotzdem vollkommen präsent bei ihrer Partnerin sind. Die ihre Frau auf eine so wunderbare Weise ansehen, dass sie sich vollends fallenlassen kann. Ohne Druck und voller Achtung füreinander, die man nicht spielen kann.
Und plötzlich entsteht etwas, das tiefer geht, als nur schöne Bilder.
Weil sie sich fallen lassen kann. Genau da beginnt dieses Zusammenspiel aus Halt und Hingabe. Aus dem, was oft als „maskulin“ und „feminin“ beschrieben wird. Nicht als Rollen im Sinne von Kontrolle oder Überlegenheit, sondern als Energie, die sich gegenseitig beflügelt.
Vielleicht wird genau hier der Unterschied sichtbar. Seine Anwesenheit entscheidet nicht darüber, ob schöne Bilder entstehen. Aber manchmal darüber, welche Tiefe zwischen euch sichtbar werden kann.

Perspektive des Mannes
„Wollen wir auch so ein Shooting machen?“
Das ist vermutlich der Horrorsatz vieler werdenden Väter.
Aber gehen wir mal in die Szene genauer hinein.
Er sitzt neben ihr auf dem Sofa.
Sie stöbert ganz versunken in ihrem Handy und zeigt ihm plötzlich Bilder von einem Babybauchshooting. Ganz unerwartet zeigt sie ihm Bilder einer Schwangeren in schönen Kleidern. Sie posiert und der Bauch der Frau ist toll in Szene gesetzt. Schöne Bilder, denkt er.
„Ich möchte auch sowas machen.“ sagt sie. Er findet die Idee toll. Doch dann zeigt sie ihm Bilder von einem Paar, eng umschlungen, nah. Sie schauen sich an, küssen sich und bilden eine absolute Einheit. „Wollen wir das zusammen machen?“
Bähmmm. Da sitzt er nun neben ihr und ihn überkommt ein ziemliches Unwohlsein. Er sieht sie an und sieht die Frau, die gerade sein Kind in sich trägt. Voller Vorfreude. Vielleicht mit diesem Blick, den sie nur hat, wenn ihr etwas wirklich wichtig ist.
Er sitzt in der Zwickmühle und denkt leise: „Wie soll ich das machen? Was macht man bei so einem Shooting? Was, wenn ich komplett versage? Was, wenn ich einfach scheiße auf den Bildern aussehe?“
Das Kopfkino beginnt und plötzlich fallen ihm all die Dinge an ihm selbst auf, über die er sonst nie redet.
Die Geheimratsecken. Der kahle Hinterkopf.
Der Bauch.
Dass er sich auf Fotos noch nie leiden konnte.
Dass er keine Ahnung hat, was er da überhaupt tun soll.
Dass er sich neben ihr plötzlich unfassbar unbeholfen fühlt.
Im Gegensatz zu ihm wirkt sie so verbunden mit allem. Mit ihrem Körper. Mit dem Baby. Mit diesem Moment.
Und er? Er steht irgendwie daneben und versuchst mitzuhalten.
Ihn überkommt sowas wie Angst, dass man auf den Bildern sieht, wie unsicher er sich fühlt. Dass er nicht locker genug ist. Nicht emotional genug. Nicht schön genug für diese Art von Bildern.
Es folgt ein Gefühl von Scham.
Sie merkt seine Zurückhaltung und fragt ihn: „Magst du sowas nicht?“
Aber statt zu sagen was wirklich in ihm vorgeht, kommt vielleicht nur:
„Boah … Fotos halt.“
Oder:
„Mal gucken.“
Oder:
„Ach, ich brauch sowas eigentlich nicht.“
Vielleicht klingt das in ihren Ohren einfach nur nach fehlender Lust. Nach typisch Mann eben. Doch was sie in diesem Moment vielleicht gar nicht sieht ist, dass in ihm längst etwas arbeitet. Dass er plötzlich mit eigenen Unsicherheiten und all seinen eigenen Zweifeln konfrontiert wird.
Und zur Wahrheit gehört auch, dass einige Männer so einem Shooting abslut nichts abgewinnen können. Für sie haben Bilder einfach nicht die Bedeutung und sie fühlen auch nicht den Wunsch nach Verewigung. Genauso gibt es Männer, die sofort Feuer und Flamme sind, sich vollkommen selbstverständlich auf diesen Moment einlassen können und mit Leichtigkeit vor der Kamera stehen.
Und genau deshalb kann es so wichtig sein, an dieser Stelle nicht gegeneinander zu gehen. Nicht beleidigt zu reagieren oder zu glauben, ihm wäre das egal.
Sondern ehrlich miteinander zu sprechen, was einem das bedeutet und was einen bewegt.

Was in meiner Hand liegt und was nicht
An dieser Stelle möchte ich noch einmal darauf eingehen, wo ich meine Aufgabe in Bezug auf negative Stimmungen sehe und wo sie in meinen Augen endet. Denn eigentlich dürfte so eine negative Dynamik doch gar nicht entstehen, wenn ich meinen Job richtig mache, oder?
Natürlich begleite ich euch durch das Shooting. Ich lasse euch gerade am Anfang nicht einfach alleine, sondern gebe euch Halt, Orientierung und kleine Impulse, damit ihr überhaupt erst einmal in diesen Moment hineinfinden könnt.
Am Anfang fühlt es sich erst einmal fremd und ungewohnt an. Viele Menschen fühlen anfangs Scham und Unsicherheit. Genau dort begleite ich euch. Ich leite bewusst an, solange Führung benötigt wird. Helfe dabei, aus dem Kopf herauszukommen. Ihr müsst nicht funktionieren und es muss auch nicht alles toll aussehen was ihr vor der Kamera macht. Mir ist viel wichtiger, dass ihr in einen Flow kommt, wo euch die Kamera bestenfalls egal wird.
Aber es gibt einen Punkt, an dem meine Aufgabe/Verantwortung aufhört.
Ich kann anleiten.
Ich kann Sicherheit geben.
Ich kann eine Atmosphäre schaffen, in der Nähe entstehen darf.
Aber ich kann nicht lösen, was zwischenmenschlich gerade ungelöst ist.
Wenn ein Paar mit Spannung, Streit, Distanz oder unausgesprochenem Frust bei mir ankommt, dann verschwindet das nicht einfach, nur weil eine Kamera dabei ist oder ich sage, wohin geschaut werden soll.
Es gibt Momente, die sich meiner direkten Einflussnahme einfach entziehen und die ich nicht einfach „lösen“ oder „wegmoderieren“ kann.
Und damit meine ich jetzt nicht automatisch große Konflikte oder eine Beziehung, die grundsätzlich in Schieflage ist. Oft reicht schon etwas Unausgesprochenes, dass beide mit völlig unterschiedlichen Gefühlen in dieses Shooting gehen. Solche inneren Spannungen können sich vor der Kamera plötzlich viel deutlicher zeigen, weil man sich selbst und dem anderen in diesem Moment nicht ausweichen kann.
Ein Shooting ist keine Reparatur für das, was zwischen zwei Menschen gerade schwer ist.
Aber am Ende braucht es gar nicht zwei Menschen, die perfekt miteinander funktionieren. Sondern einfach zwei Menschen, die bereit sind sich ehrlich aufeinander einzulassen.
Fazit
Vielleicht ist deutlich geworden, dass es bei Eingangsfrage nie nur darum ging, ob dein Partner beim Shooting dabei sein sollte oder nicht. Sondern darum, was du in diesem Moment wirklich brauchst. Vielleicht ist es seine Nähe. Sein Blick. Dieses Gefühl, nicht alleine zu sein. Dann kann seine Anwesenheit etwas sein, das dich trägt.
Vielleicht spürst du aber auch etwas anderes. Den Wunsch, diesen Moment einmal ganz für dich zu haben. Ohne Erwartungen. Ohne das Gefühl, dich erklären zu müssen. Und beides ist richtig. Die eigentliche Frage ist nicht, ob er dabei sein sollte.
Sondern: Was seine Anwesenheit in dir verändert.
Fühlst du dich freier – oder angespannter? Mehr bei dir – oder mehr bei ihm? Ist genau das nicht der ehrlichste Weg, eine Entscheidung zu treffen. Nicht aus Gewohnheit. Nicht aus Rücksicht. Sondern aus einem Gefühl heraus, das du nicht erklären musst.
Du darfst ihn mitnehmen. Aber nicht, weil es sich gehört. Sondern, weil es sich für beide richtig anfühlt. Und du darfst dich auch nur für dich entscheiden. Ohne dich dafür rechtfertigen zu müssen.
Manchmal muss diese Entscheidung auch gar nicht vorher endgültig getroffen werden. Wenn ich in den Erstgesprächen schon höre, dass der Mann zweifelt, lade ich immer dazu ein, einfach mitzukommen und erst einmal zu beobachten. Meistens entsteht genau daraus eine Offenheit, bei der auch der Partner ohne Druck ankommen kann. Die Stimmung kann erst einmal entstehen und der Mann kann entscheiden, ob er Teil des Ganzen werden will oder nicht.
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